Müßiggang produktives Nichtstun zum Osterfest
Mit Ostern und der Auferstehung von Jesus Christus haben wir in etwa so viel am Hut wie Vati mit Backen, Mutti mit Kochen und ich mit aufs Wort gehorchen – nämlich nichts. Das höchste christliche Fest haben wir in den letzten Jahren allenfalls dahingehend gefeiert, uns für ein schönes, langes Wochenende aus dem Staub zu machen, irgendwo hinzufahren und es uns für ein paar Tage gut gehen zu lassen.
Sicher schwer verwerflich, aber letztendlich unserer Konfessionslosigkeit geschuldet. Mein Glaube beschränkt sich eher auf einen immer gut gefüllten Fressnapf und möglichst wenig Bewegung. Mutti glaubt an mich, Vati an seinen Fotoapparat, seine Schreibmaschine und ein gut gekühltes Hefeweizen.
Warum ich dieses Jahr zu Ostern nicht in meinen königlichen Berner Sennenhund-Dienstwagen verfrachtet und standesgemäß durch die Gegend chauffiert wurde, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Ich war eigentlich lieb, artig – ungemein niedlich sowieso – und habe mir nichts zu schulden kommen lassen.
Fragende Blicke in Richtung meiner Erziehungsberechtigten wurden geflissentlich ignoriert. Vati grummelte etwas von teuren, anstehenden Urlauben und unverschämten Spritpreisen vor sich hin und Mutti meinte, dass wir Ostern durchaus auch einmal zu Hause überstehen würden. Können sie nicht gleich sagen, dass wir einen auf faul zu Hause machen?
Dem hatte ich nichts entgegen zu setzen und fügte mich dem durchaus angenehmen Schicksal. Essen, schlafen, essen – und eine kleine Würstel-Runde, aber bitte nicht zu weit. Vati verzog sich hinter seine Schreibmaschine und machte einen angestrengt–beschäftigten Eindruck, Mutti fand Gefallen an ihren Mädchenfilmen und ich an den kühlen Fliesen im Haus.
Kurzum: Wir waren richtig schön faul.
Zumindest haben wir es aber immerhin geschafft, der Tradition des Ostereier-Suchens zu folgen. Eier schmecken mir ohnehin richtig gut – auch wenn ich oft faul und unbeteiligt im Haus im Weg liege, stehe ich sofort zur Stelle, wenn ich höre, dass in der Küche ein solches zum Pellen angeschlagen wird.
Mutti gab sich Mühe und bereitete mir einen kleinen, gesunden Oster-Teller zu, den ich suchen sollte – keine wirkliche Herausforderung, da unser Grundstück zum einen eher überschaubar ist und ich zum anderen eine äußerst verlässliche Nase habe. Somit war selbiger auch sehr schnell gefunden und verputzt.
Zusammen mit Vati machte ich mich daraufhin auf die Suche nach ein paar versteckten Geschenken. Natürlich war auch hier auf mich Verlass – schnell waren diese gefunden und in Beschlag genommen.

Die gelbe Ente im gefundenen Osternest kam mir irgendwie bekannt vor. Warum und wieso ist die so plötzlich wieder aufgetaucht? Letztendlich war mir das eigentlich auch egal und nach der Freigabe durch Mutti machte ich mich mit selbiger zum fachgerechten Erlegen auf und davon.

Vom beherzten Zerlegen meiner Ente in ihre Einzelteile hielt mich indessen schnell ein wohliger Duft ab. Hatte ich etwas in meinem Osternest übersehen?
Hatte ich, denn der neue Kauknochen und die Kaustangen waren von meiner Ente verdeckt, verkündeten jetzt aber ihre Anwesenheit in meiner Nase. Die Ente wurde bedeutungslos, rettete sich damit ihr Leben und ich widmete mich ausgiebig einer der Kaustangen – denn wer einteilt, hat mehr vom Leben. Oder seinen Oster–Leckereien.
