Ist sie nicht schön, die weiße Pracht, die man uns schickte diese Nacht?
Weiße Weihnachten waren uns für den Ostseeurlaub zum Jahreswechsel leider nicht vergönnt. Allerdings war Petrus so gnädig, uns in den letzten Tagen recht ordentlich mit Schnee und erfrischend kühlen Temperaturen zu versorgen. Vatis Kopfschütteln ob der Panik verbreitenden und Weltuntergang prophezeienden Medien konnte ich bald nicht mehr sehen, aber zusammen sind wir einer Meinung: Es ist Winter, was regt ihr Euch auf?
Der Wind hatte über Nacht noch ordentlich Schnee in mein heimisches Königreich geweht und das Thermometer nach unten sausen lassen – somit zeichnete sich nach dem Aufstehen am Samstagmorgen ein deutlich sichtbares Grinsen auf Muttis Gesicht ab. Auch ich steckte meinen dicken Kopf vorsichtig aus der Terrassentür und verschwand schnell für ein paar wilde Sprünge im Schnee, schob mich mit Kopf und Nase in der weißen Pracht liegend mit meinen Hinterbeinen durch den Schnee – ein Eisbär könnte es nicht schöner machen.

Wie immer standen erst einmal das samstägliche Frühstück, das Einkaufen und mein Verdauungsschläfchen an. Irgendwann standen dann Mutti und Vati dick angezogen, ausgehbereit und mit meiner Leine in der Hand vor mir und brauchten nicht lange zu fragen, ob es dem König nach einem Ausflug in den Schnee gelüstete. Natürlich!

Was für ein Winterspaß! Jede Schneewehe gehörte mir, auch wenn ich gelegentlich ordentlich darin versank und weiß wie ein Schneemann wieder heraussprang. Der Boden des Feldes entlang meiner täglichen Pullerrunde war gefroren, zugeschneit und bot sich für eine schöne Runde darüber an.
Mutti freute sich über das feine Knirschen im frischen Schnee und ich konnte mich gar nicht oft genug im Schnee wälzen. Das bereitet mir im Ostseesand schon mächtig Spaß, im Schnee aber umso mehr. Manche meiner Artgenossen finden Schlamm ja auch sehr interessant – aber das hat mir Mutti schon sehr früh abgewöhnt.
Vatis neue Kamera klickte des Öfteren, offensichtlich hat der letzte königlich-amtliche Anschiss Wirkung gezeigt, leise und betroffen scheint er seinen journalistisch-dokumentarischen Aufgaben wieder nachzukommen.
Ich streifte mit beiden noch länger Zeit durch den Schnee, freute mich aber auch, als es langsam wieder in Richtung Heimat ging. Natürlich mit mir vornweg und mit der Leine im Maul, schließlich soll jeder sehen, dass ich die Befehlsgewalt innehalte und das Zepter in der Hand Pfote halte.
Mein Soll an Bewegung und Frischluft war für heute erfüllt. Grund genug, mich für die verbleibenden Stunden des Tages nur noch von einer Seite auf die andere zu drehen und das Geschehen um mich herum aus halbgeschlossenen Augen zu verfolgen – wenn überhaupt.
Fotos Ausflug in die weiße Pracht
Winterlust
Robert Reinick
Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift,
Doch meint er´s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch,
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an!